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Kreatin für's Gehirn? Was es bringt und wann es sinnvoll ist

  • 3. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 4. Mai

Kreatin gehört zu den am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmitteln überhaupt. Die meisten Menschen kennen es aus dem Krafttraining: Mehr Leistungsfähigkeit, bessere Regeneration und langfristiger Muskelerhalt. Doch seit einiger Zeit taucht Kreatin immer häufiger als Supplement für das Gehirn auf. Wir haben uns die aktuelle Studienlage genauer angesehen.



Die allgemeine Wirkungsweise

Kreatin ist kein klassisches „Fitness-Supplement“, sondern eine körpereigene Substanz, die eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel spielt.


Im Muskel ist seine Funktion gut bekannt:

  • schnellere ATP-Bereitstellung (Energie für Muskelkontraktionen)

  • verbesserte Trainingsleistung

  • Unterstützung der Regeneration

  • Schutz vor Muskelabbau


Gerade für ältere Menschen ist das besonders relevant. Mit zunehmendem Alter verlieren wir Muskelmasse und Kraft (Sarkopenie), was das Risiko für Stürze, Einschränkungen im Alltag und metabolische Erkrankungen erhöht. Studien zeigen, dass Kreatin (in Kombi mit Krafttraining) den Muskelerhalt und die funktionelle Leistungsfähigkeit deutlich unterstützen kann.


Was viele jedoch nicht wissen: Auch das Gehirn ist ein extrem energiehungriges Organ.

Obwohl es nur etwa 2 % unseres Körpergewichts ausmacht, verbraucht es rund 20 % der gesamten Energie. Genau hier wird Kreatin interessant.


Warum Kreatin theoretisch auch im Gehirn wirken kann

Die Rolle von Kreatin im Gehirn ähnelt der im Muskel.

Kreatin wirkt als schneller Energiereservoir-Mechanismus und unterstützt:

  • die schnelle ATP-Bereitstellung in Nervenzellen

  • die Funktion unserer "Zellkraftwerke", den Mitochondrien

  • eine effizientere Sauerstoffnutzung

  • antioxidativen Schutzmechanismen

  • Signalwege, die an Gedächtnisbildung und somit an neuen Synapsenverbindungen beteiligt sind


Wann Kreatin für die kognitive Leistung sinnvoll sein kann

Die aktuelle Datenlage zeigt zwar kein pauschales "Upgrade" der kognitiven Leistungsfähigkeit bei gesunden, gut erholten jungen Menschen, doch der entscheidende Punkt ist der Kontext:


Die positiven Effekte von Kreatin treten vor allem dann auf, wenn das Gehirn unter Belastung steht. Die Studien zeigen Verbesserungen insbesondere unter folgenden Bedingungen:

  • Schlafmangel

  • mentale Erschöpfung

  • langanhaltender Stress

  • Sauerstoffmangel (z. B. Aufenthalt in Höhe)


In diesen Situationen steigt der Energiebedarf des Gehirns deutlich an. Kreatin scheint hier zu helfen, die Leistungsfähigkeit stabiler zu halten. Beobachtet wurden unter anderem Verbesserungen bei: sog. "exekutiven Funktionen", also Denkleistungen, Gedächtnisleistung, Reaktionszeit und mentale Ausdauer.


Es macht gute Tage nicht unbedingt besser, kann aber schlechte Bedingungen weniger stark negativ wirken lassen.


Besonders relevant: Kreatin im Alter

Ein spannender Bereich der Forschung betrifft ältere Erwachsene.

Mit zunehmendem Alter nehmen die Kreatinspeicher im Gehirn ab. Gleichzeitig steigen häufig:

  • mentale Ermüdung

  • Gedächtnisprobleme

  • reduzierte kognitive Belastbarkeit


Mehrere Studien zeigen, dass eine Kreatinsupplementierung bei älteren Menschen (insbesondere zwischen 66–76 Jahren) die Gedächtnisleistung und kognitive Verarbeitung verbessern kann.

Hier verbindet sich ein doppelter Nutzen: Unterstützung der Muskelgesundheit und mögliche Stabilisierung der kognitiven Leistungsfähigkeit"

Damit wird Kreatin zu einem der wenigen Supplements mit potenziellen Vorteilen für körperliche und mentale Funktion im Alter.


Praktische Anwendung: Dosierung aus Studien

In der Forschung werden hauptsächlich zwei Strategien verwendet:

1. Langfristige Einnahme

  • 3–5 g Kreatin täglich

  • über mehrere Monate

2. Loading-Phase

  • ca. 20 g täglich über mindestens 5–7 Tage

  • anschließend Erhaltungsdosis (3-5g)


Wichtige Einordnung: Was Kreatin nicht kann

Trotz vielversprechender Mechanismen gibt es wichtige Einschränkungen:

  • wenige Daten bei gesunden jungen Erwachsenen ohne Stressbelastung

  • unterschiedliche Dosierungen wurden kaum systematisch verglichen

  • viele mechanistische Erkenntnisse stammen aus Tierstudien

Das bedeutet: Die biologische Plausibilität ist stark, die Forschung an Menschen entwickelt sich jedoch noch weiter.


Kreatin ist daher kein Ersatz für Schlaf, Regeneration oder Stressmanagement.


Fazit: Kontext schlägt Hype

Kreatin ist ein interessantes Werkzeug, aber wie bei den meisten Interventionen gilt:

Der Effekt hängt stark vom Kontext ab. Echte Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein System, das auf deine individuelle Situation  abgestimmt ist.


Die Zusammenhänge zwischen Belastung und Belastbarkeit, Alltag und deinem Stoffwechsel werden oft unterschätzt. Unser Ansatz ist es, diese Komplexität verständlich zu machen und daraus Strategien zu entwickeln, die langfristig funktionieren.



Literatur: Candow DG, Forbes SC, Ostojic SM, Prokopidis K, Stock MS, Harmon KK, Faulkner P. "Heads Up" for Creatine Supplementation and its Potential Applications for Brain Health and Function. Sports Med. 2023 Dec;53(Suppl 1):49-65. doi: 10.1007/s40279-023-01870-9. Epub 2023 Jun 27. Erratum in: Sports Med. 2024 Jan;54(1):235-236. doi: 10.1007/s40279-023-01888-z. PMID: 37368234; PMCID: PMC10721691.

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