Können Freundschaften unser Immunsystem beeinflussen?
- 22. Mai
- 2 Min. Lesezeit
„Freunde tun gut.“ Diesen Satz haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört. Oft klingt das aber eher wie ein Kalenderspruch oder eine emotionale Floskel.
Spannend ist:
Die Wissenschaft beschäftigt sich mittlerweile tatsächlich mit genau dieser Frage.
Und immer mehr Studien zeigen:
Soziale Beziehungen könnten nicht nur wichtig für unsere mentale Gesundheit sein, sondern auch Einfluss auf unser Immunsystem haben.
Was wurde untersucht?
Eine besonders interessante Studie aus dem Jahr 2022 untersuchte 676 Erwachsene aus Großbritannien.
Die Forscher wollten wissen:
Wie sozial verbunden fühlen sich Menschen?
Wie einsam fühlen sie sich?
Und gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Faktoren und der Reaktion des Immunsystems?
Dafür wurde bei den Teilnehmern nach der COVID-Impfung die Antikörperantwort gemessen.
Antikörper sind ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Vereinfacht gesagt zeigen sie, wie stark unser Körper auf einen Krankheitserreger oder eine Impfung reagiert.
Zusätzlich beantworteten die Teilnehmer verschiedene Fragen zu:
Einsamkeit
sozialer Unterstützung
sozialen Kontakten
dem Gefühl von Verbundenheit mit anderen Menschen
Das Ergebnis der Studie
Die Ergebnisse waren spannend:
Menschen, die sich einsamer fühlten oder weniger soziale Verbundenheit angaben, zeigten tendenziell eine schwächere Antikörperantwort auf die COVID-Impfung.
Menschen mit stärkerer sozialer Verbundenheit dagegen eher eine stärkere Immunantwort.
Wichtig: Die Studie beweist nicht, dass Freunde direkt das Immunsystem „boosten“ oder Krankheiten verhindern.
Aber sie zeigt einen interessanten Zusammenhang zwischen sozialer Gesundheit und biologischen Prozessen im Körper.
Warum könnte das so sein?
Ein möglicher Mechanismus dahinter ist Stress.
Wenn wir chronisch gestresst sind, beeinflusst das unseren Körper auf vielen Ebenen:
Schlaf verschlechtert sich
Entzündungsprozesse können zunehmen
Regeneration leidet
und auch das Immunsystem kann beeinträchtigt werden
Positive soziale Beziehungen können dagegen helfen:

Viele Menschen kennen dieses Gefühl intuitiv: Nach einem guten Gespräch, einem Abend mit Freunden oder Zeit mit Menschen, die man mag, fühlt man sich oft ruhiger und ausgeglichener.
Und genau diese psychischen Prozesse könnten biologisch relevanter sein, als wir lange gedacht haben.
Gesundheit ist mehr als Ernährung und Training
Wenn wir über Gesundheit sprechen, denken viele sofort an:
Ernährung
Supplements
Sport
Blutwerte
All diese Dinge sind wichtig.
Aber Gesundheit besteht eben nicht nur aus Makronährstoffen und Trainingsplänen.
Auch Faktoren wie:
Schlaf
Stressmanagement
soziale Beziehungen
Bewegung
Erholung
emotionale Sicherheit
haben einen enormen Einfluss auf unseren Körper.
Die Forschung zeigt immer deutlicher: Unser Körper lässt sich nicht komplett von unserem sozialen Umfeld trennen.
Was kann man daraus mitnehmen?
Vielleicht vor allem das:
Gesundheit muss nicht immer kompliziert sein.
Natürlich ersetzen Freundschaften keine Therapie, keine medizinische Behandlung und auch keinen gesunden Lebensstil. Aber vielleicht ist Zeit mit Menschen, die uns guttun, wichtiger für unsere Gesundheit, als viele denken.
Vielleicht ist die Nachricht deshalb manchmal ganz simpel:
Ruf mal wieder jemanden an, den du magst oder im Besten Fall triff dich mit dieser Person. Viel Spaß dabei! (:
Quelle:
Gallagher S. et al. (2022)
“Social cohesion and loneliness are associated with the antibody response to COVID-19 vaccination”
Brain, Behavior, and Immunity.
DOI: 10.1016/j.bbi.2022.04.017


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