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Hidden Hunger: Warum viele Menschen genug essen, aber trotzdem unterversorgt sind

  • 30. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn wir an Mangelernährung denken, haben viele sofort Bilder von Untergewicht oder Hunger im Kopf.Die Realität moderner Ernährung sieht allerdings oft ganz anders aus:

Viele Menschen nehmen heute ausreichend, bzw. sogar zu viele, Kalorien auf und erreichen trotzdem wichtige Mikronährstoffe nicht optimal.

Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen: „Hidden Hunger“ also versteckten Hunger.

Gemeint ist damit keine klassische Unterernährung, sondern eine unzureichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen trotz ausreichender Energiezufuhr.

 

Warum das problematisch sein kann

Mikronährstoffe sind an unzähligen Prozessen im Körper beteiligt, etwa an der Energieproduktion, der Funktion des Immunsystems, der Regeneration oder dem Hormon- und Nervensystem. Deshalb wirken sich Defizite oft eher schleichend aus. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, verringerte Belastbarkeit oder häufige Infekte können viele Ursachen haben, aber eine suboptimale Nährstoffversorgung gehört definitiv zu den Faktoren, die man nicht unterschätzen sollte.

 

Wie sieht die Versorgung in Deutschland aus?

Die bislang größte deutsche Ernährungsanalyse, die Nationale Verzehrsstudie II, zeigte bereits vor Jahren auffällige Versorgungslücken bei mehreren Mikronährstoffen.

Besonders kritisch waren:


  • Vitamin D

  • Folat

  • Jod

  • Calcium

  • Eisen bei Frauen


Wichtig: Die Studie spricht nicht davon, dass die gesamte Bevölkerung schwere klinische Mängel hat. Viel häufiger geht es darum, dass empfohlene Zufuhrempfehlungen langfristig nicht erreicht werden. Das klingt zunächst harmlos, kann aber gerade über viele Jahre relevant werden.

Vor allem Frauen sind bei bestimmten Nährstoffen häufiger betroffen, beispielsweise durch Menstruation, Schwangerschaft oder Stillzeit.

 

Das Problem betrifft nicht nur Deutschland

Auch große europäische Übersichtsarbeiten kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

Besonders häufig werden genannt:


  • Vitamin D

  • Eisen

  • Folat

  • Jod


Deshalb läuft mittlerweile sogar ein großes EU-Forschungsprojekt namens:

„Zero Hidden Hunger EU“

Das Ziel: Besser verstehen, wie verbreitet Mikronährstoffdefizite in Europa tatsächlich sind und welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind.

Denn trotz Lebensmittelüberfluss scheint die Nährstoffdichte moderner Ernährung zunehmend ein Problem zu werden.

 

Die weltweiten Daten sind besonders spannend

2024 erschien eine große globale Analyse zur Mikronährstoffversorgung. Die Forscher werteten Daten aus nahezu der gesamten Weltbevölkerung aus, mit teilweise überraschenden Ergebnissen:


Besonders häufig waren unzureichende Aufnahmen bei:

  • Jod (68%)

  • Calcium (66%)

  • Eisen (65%)

  • Folat

  • Vitamin E


Selbst viele Industrieländer schnitten dabei nicht besonders gut ab.

Das zeigt: Das Problem betrifft längst nicht nur Entwicklungsländer.


 

Wie kann das sein?

Ein wichtiger Faktor könnte unsere moderne Ernährungsweise sein.

Viele hochverarbeitete Lebensmittel liefern zwar viel Energie und viele Kohlenhydrate oder Fett, aber vergleichsweise wenig Mikronährstoffe.

Das bedeutet:Man kann theoretisch ausreichend oder sogar zu viele Kalorien essen und gleichzeitig relativ nährstoffarm leben.


Hinzu kommen weitere mögliche Faktoren wie:

  • Stress

  • Schlafmangel

  • geringe Sonnenexposition

  • restriktive Diäten

  • einseitige Ernährung

  • Alkohol

  • bestimmte Medikamente

  • intensive sportliche Belastung

All das kann die Versorgung zusätzlich beeinflussen.


Bedeutet das jetzt, dass jeder Supplements braucht?

Nein. Und genau hier wird online oft zu stark vereinfacht. Die Daten zeigen nicht, dass pauschal jeder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen sollte. Aber sie zeigen ziemlich klar: Eine ausreichende Kalorienzufuhr bedeutet nicht automatisch eine optimale Versorgung mit Mikronährstoffen.

Sinnvoller ist es, Ernährung, Symptome und bei Bedarf auch relevante Blutwerte individuell anzuschauen. Denn nicht jeder braucht dasselbe und nicht jeder Wert ist automatisch aussagekräftig.


Wenn du unsicher bist, kann es sinnvoll sein, relevante Nährstoffe im Blut überprüfen zu lassen und die Ergebnisse professionell einordnen zu lassen.

 

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