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Süßstoffe und Gesundheit: Was die SWEET-Studie wirklich zeigt

  • 22. Mai
  • 4 Min. Lesezeit

„Süßstoffe machen dick.“

„Zero Getränke zerstören deinen Stoffwechsel.“

„Der Körper denkt trotzdem, er bekommt Zucker.“




Kaum ein Ernährungsthema wird aktuell so emotional diskutiert wie Süßstoffe. Vor allem auf Social Media findet man dazu extrem widersprüchliche Aussagen. Während manche Menschen komplett auf zuckerfreie Produkte setzen, versuchen andere künstliche Süßstoffe um jeden Preis zu vermeiden.


Das Problem dabei: Viele Diskussionen basieren eher auf Meinungen, Einzelfällen oder Angst als auf der tatsächlichen Datenlage.


Genau deshalb war die sogenannte SWEET-Studie in der Ernährungswissenschaft so interessant. Sie gehört zu den aktuell relevantesten Untersuchungen zum Thema Süßstoffe, Gewicht und Stoffwechselgesundheit; und liefert deutlich differenziertere Ergebnisse, als viele erwarten würden.


Warum Süßstoffe überhaupt so beliebt geworden sind


Die meisten Menschen essen heute deutlich mehr Zucker als gesundheitlich sinnvoll wäre. Gerade stark verarbeitete Lebensmittel enthalten oft große Mengen an zugesetztem Zucker, ohne dass man es sofort merkt.


Ein hoher Zuckerkonsum wird unter anderem mit folgenden Problemen in Verbindung gebracht:


  • Übergewicht

  • Insulinresistenz

  • Typ-2-Diabetes

  • Karies

  • ungünstigen Blutfettwerten

  • erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Deshalb versuchen viele Menschen, ihren Zuckerkonsum zu reduzieren und greifen dabei auf Süßstoffe zurück. Die Idee dahinter klingt erstmal logisch: Süßer Geschmack, aber deutlich weniger oder gar keine Kalorien.


Trotzdem halten sich seit Jahren Zweifel:

  • Fördern Süßstoffe Heißhunger?

  • Verändern sie den Stoffwechsel?

  • Können sie die Darmgesundheit negativ beeinflussen?

  • Erhöhen sie langfristig sogar das Risiko für Übergewicht?



Was wurde in der SWEET-Studie untersucht?

Die SWEET-Studie wurde in mehreren europäischen Ländern durchgeführt und untersuchte Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas.

Alle Teilnehmenden hatten zunächst erfolgreich Gewicht verloren. Danach begann die eigentliche Untersuchungsphase:Wie wirkt sich der regelmäßige Konsum von Süßstoffen im Vergleich zu Zucker langfristig auf Gewicht, Stoffwechsel und Gesundheit aus?


Die Teilnehmer wurden dafür in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Eine Gruppe konsumierte weiterhin zuckerhaltige Produkte.

  • Die andere Gruppe ersetzte Zucker durch Produkte mit Süßstoffen bzw. kalorienarmen Süßungsmitteln.


Besonders interessant: Die Studie lief über mehrere Monate und unter realitätsnahen Alltagsbedingungen. Genau das macht die Ergebnisse deutlich relevanter als viele Kurzzeitstudien im Labor.



Das wichtigste Ergebnis: Süßstoffe machten das Gewicht halten leichter


Die Gruppe, die Zucker durch Süßstoffe ersetzte, konnte ihr Gewicht besser halten als die Vergleichsgruppe mit Zucker. Das ist ein entscheidender Punkt.

Denn viele Menschen schaffen es zwar kurzfristig abzunehmen, langfristig scheitert es aber oft daran, die neue Ernährung dauerhaft umzusetzen.

Hier könnten Süßstoffe in bestimmten Situationen hilfreich sein: Sie ermöglichen süßen Geschmack mit weniger Kalorien und können dadurch helfen, den Zuckerkonsum zu reduzieren, ohne das Gefühl von ständigem Verzicht zu haben.

Und das ist psychologisch enorm relevant. Denn Ernährung scheitert selten an fehlendem Wissen. Sie scheitert meistens daran, dass Veränderungen im Alltag nicht dauerhaft durchhaltbar sind.


Gab es negative Auswirkungen auf Hunger oder Stoffwechsel?

Ein häufiger Vorwurf gegenüber Süßstoffen lautet: „Sie machen erst recht Heißhunger.“

Die SWEET-Studie konnte dafür allerdings keine klaren Hinweise zeigen.

Es zeigten sich keine negativen Effekte auf: Hungergefühl, Appetit, Blutzucker und Insulinwerte.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Mensch individuell gleich reagiert. Manche Menschen berichten subjektiv tatsächlich über mehr Appetit nach bestimmten Light-Produkten. Aber wissenschaftlich betrachtet ist die pauschale Aussage:„Süßstoffe machen dick oder fördern automatisch Heißhunger“deutlich zu einfach.


Warum soziale Medien das Thema oft falsch darstellen

Im Internet funktionieren Extreme besonders gut. „Süßstoffe sind völlig harmlos“ oder „Süßstoffe zerstören deine Gesundheit“ Beides erzeugt Aufmerksamkeit, aber selten ein realistisches Bild.


Die Realität in der Ernährungswissenschaft ist meistens deutlich weniger spektakulär:Es kommt auf Menge, Kontext, Lebensstil und individuelle Gewohnheiten an.

Ein Mensch mit: Schlafmangel, chronischem Stress, Bewegungsmangel, hochverarbeiteter Ernährung und dauerhaftem Kalorienüberschuss wird seine Gesundheit wahrscheinlich nicht wegen eines Zero-Getränks verschlechtern oder verbessern.


Und was ist mit der Darmgesundheit?

Das Thema Darmmikrobiom wird aktuell extrem populär und dadurch leider oft vereinfacht dargestellt. Ja, es gibt Studien, die zeigen, dass bestimmte Süßstoffe theoretisch Veränderungen im Darmmikrobiom auslösen könnten.


Aber:

  • Viele dieser Studien wurden an Tieren durchgeführt.

  • Teilweise wurden unrealistisch hohe Mengen verwendet.

  • Veränderungen im Mikrobiom sind nicht automatisch negativ.

  • Die Datenlage beim Menschen ist insgesamt noch uneinheitlich.


Das bedeutet nicht, dass man das Thema ignorieren sollte. Aber man sollte vorsichtig sein mit dramatischen Aussagen wie:„Süßstoffe zerstören den Darm.“ Vor allem, weil andere Faktoren oft einen viel stärkeren Einfluss auf die Darmgesundheit haben, wie:


  • Ballaststoffe

  • Schlaf

  • Stress

  • Bewegung

  • Alkohol

  • chronische Entzündungen

  • insgesamt stark verarbeitete Ernährung


Bedeutet das jetzt, dass Süßstoffe gesund sind?

Nein.

Die SWEET-Studie zeigt nicht, dass Süßstoffe plötzlich „gesund“ oder notwendig sind.

Sie zeigt aber sehr deutlich: Süßstoffe sind wahrscheinlich deutlich weniger problematisch, als häufig behauptet wird vor allem im Vergleich zu hohem Zuckerkonsum.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Denn in der Praxis geht es oft nicht um:„perfekt“ oder „toxisch“

sondern um die Frage:Was hilft Menschen langfristig dabei, gesündere Gewohnheiten realistisch umzusetzen? Und genau dort können Süßstoffe für manche Menschen sinnvoll sein.


Unser Fazit

Die SWEET-Studie erinnert uns an etwas Wichtiges: Gesundheit funktioniert selten nach Schwarz-Weiß-Denken. Süßstoffe sind kein Wundermittel, aber sie sind wahrscheinlich auch nicht der Gesundheitskiller, als der sie oft dargestellt werden.


Entscheidend bleibt aber immer das große Ganze:

Denn Gesundheit entsteht nicht durch Angst vor einzelnen Lebensmitteln, sondern durch nachhaltige Gewohnheiten, die langfristig funktionieren.


Quelle

Rogers PJ et al. (2023).Effects of sweeteners and sweetness enhancers on body weight and health outcomes: The SWEET project.

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