Schadet zu viel Protein wirklich der Niere?
- 10. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Der Mythos hält sich hartnäckig
„Zu viel Protein ist schlecht für die Nieren.“
Diesen Satz haben wahrscheinlich die meisten von uns schon einmal gehört. Gerade Menschen, die regelmäßig trainieren oder bewusster auf ihre Ernährung achten, haben oft Angst davor, „zu viel“ Protein zu essen und damit ihrer Gesundheit zu schaden.
Aber was sagt die aktuelle Studienlage wirklich?
Was zeigt die Wissenschaft?
Wir haben uns dazu eine große Meta-Analyse angeschaut, in der 28 Studien mit über 1000 gesunden Menschen ausgewertet wurden. Untersucht wurde, wie sich eine höhere Proteinzufuhr auf die Nierenfunktion auswirkt. In vielen der Studien lagen die Proteinmengen bei etwa 2 bis 2,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Dabei wurden über mehrere Wochen bis hin zu längeren Zeiträumen Blut- und Urinwerte gemessen, um zu überprüfen, ob die Niere Schaden nimmt.
Das Ergebnis war ziemlich eindeutig: Es zeigte sich keine Verschlechterung der Nierenfunktion bei gesunden Menschen. Ja, die Niere arbeitet bei einer höheren Proteinzufuhr etwas mehr. Das ist aber zunächst eine normale physiologische Anpassung und nicht automatisch ein Hinweis auf Schaden.
Wichtig: Für wen gilt das? Diese Ergebnisse gelten für gesunde Menschen.
Bei bestehenden Nierenerkrankungen oder anderen Vorerkrankungen kann eine hohe Proteinzufuhr problematisch sein und sollte immer individuell betrachtet werden.
Genau hier entsteht häufig das Missverständnis:
Viele Aussagen über „schädliches Protein“ beziehen sich eigentlich auf bereits vorgeschädigte Nieren, werden aber oft auf alle Menschen übertragen.
Warum ist Protein so wichtig
Was dabei oft vergessen wird:
Protein ist nicht nur wichtig für Muskelaufbau. Eiweiß spielt in unglaublich vielen Prozessen im Körper eine entscheidende Rolle.
Proteine sind unter anderem wichtig für:
unser Immunsystem
Regeneration und Wundheilung
den Erhalt von Muskelmasse
Leistungsfähigkeit im Alltag und Sport
Hormon- und Enzymbildung
Sättigung und Blutzuckerregulation
Gerade Menschen, die regelmäßig Sport treiben, sich viel bewegen oder wenig Eiweiß essen, profitieren häufig davon, ihre Proteinzufuhr bewusster zu gestalten.
Denn ein zu niedriger Eiweißkonsum kann langfristig genauso problematisch sein, wie eine unausgewogene Ernährung insgesamt: weniger Muskelmasse, schlechtere Regeneration, mehr Hunger, geringere Leistungsfähigkeit und oft auch Schwierigkeiten beim Muskelaufbau oder Gewichtsmanagement.
Wie viel Protein braucht man wirklich?
Nicht jeder braucht extrem hohe Proteinmengen. Hier ein grober Überblick:

Sehr hohe Mengen darüber hinaus sind meist nicht notwendig und oft ohne zusätzlichen Vorteil.
Natürlich ist das immer individuell abhängig von:
Aktivitätslevel
Trainingsziel
Alter
Körperzusammensetzung
Alltag und Regeneration
Unser Fazit
Gesundheit sollte nicht auf Mythen oder einzelne Schlagzeilen aufgebaut werden, sondern auf aktueller Evidenz und individueller Betrachtung. Protein ist nicht automatisch gefährlich. Für viele Menschen ist eher das Gegenteil ein Problem: Sie essen langfristig zu wenig davon.
Wenn du unsicher bist, wie viel Protein für dich persönlich sinnvoll ist, melde dich gerne bei uns.
Quelle
Devries MC, Sithamparapillai A, Brimble KS, Banfield L, Morton RW, Phillips SM.
*Changes in Kidney Function Do Not Differ between Healthy Adults Consuming Higher- Compared with Lower- or Normal-Protein Diets: A Systematic Review and Meta-Analysis.*
Journal of Nutrition. 2018;148(11):1760–1775.




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